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3. Adventsfenster

3. Adventsfenster 2021
Datum:
Veröffentlicht: 12.12.21
Von:
Carina Lembach
Zum 3. Adventsfenster gibt es eine Geschichte von dem Hirten Simon. Auch hierzu gibt es einen QR-Code zum Einscannen
3. Adventsfenster 2021

Die vier Lichter des Hirten Simon

Zweitausend Jahre ist es nun schon her, da hütete der Hirte Simon in einem fernen Land die Schafe. Es war ein grauer Tag.

So machten sich die Hirten Jakob und Simon auf den Weg zu einer höher gelegenen Wiese. Dort, über dem Nebel, wollten sie die Schafe weiden.

Simon drängte sich an Jakob. Im dichten Nebel war es ihm unheimlich. Er war noch jung, erst neun Jahre alt. Jakob war groß und stark. Schützend legte dieser den Arm um Simon.

Da sprang ein schneeweißes Lamm herbei. Es blökte ängstlich. Jakob nahm das Lamm, legte es Simon in die Arme und sprach: „Hier. Du darfst unser kleinstes Lamm tragen. Hüte es gut!“

Simon freute sich und ließ das Lamm nicht aus den Augen. Nachts durfte es unter seinem Mantel schlafen.

Eines Abends ließ sich Simon unter einem Olivenbaum nieder und schloss müde die Augen. Das Lamm kuschelte sich wie immer an ihn.

Doch als Simon erwachte, war das Lamm verschwunden.

Simon erschrak! Er suchte überall. Vergeblich.

Simon beschloss das Lamm suchen zu gehen. Jakob machte sich Sorgen, den Jungen alleine gehen zu lassen und gab ihm eine Laterne mit vier Lichtern mit auf den Weg. Er sagte zu Simon: „Pass gut auf die vier Lichter auf. Sie werden dir den Weg leuchten.“

Zuversichtlich machte sich Simon auf den Weg sein Lamm zu suchen.

Die ganze Nacht und den ganzen Tag hatte er schon die Hügel abgesucht, aber keine Spur entdeckt.

Schon ging die Sonne wieder unter. Simon wurde hoffnungslos. Da hörte er etwas. Er rief: „Lamm, kleines Lamm komm!“

„Ho!“ brummte eine tiefe Männerstimme. „ Du suchst ein Lamm? Ich habe es gesehen. Es ist im Olivenhain dort drüben. Es ist klein und schneeweiß.“

„Das ist mein Lamm“, freute sich Simon. „Danke! Hier nimm ein Licht! Es wird dir deinen Weg erhellen. Was soll ich mit vier Lichtern, wenn Du keines hast. Drei Lichter sind genug für mich.“

„ Du willst mir ein Licht schenken? Mir?“ wunderte sich der Mann und nahm das Licht. „Du bist der erste Mensch, der freundlich zu mir ist. Danke. Danke, mein Junge!“ Im Weggehen flüsterte er leise vor sich hin: „Dabei bin ich ein Dieb!“

Simon lief in den Olivenhain, um endlich sein Lamm zu finden.

Aber von einem Lamm war nichts zu sehen. Er suchte in einer Höhle. War hier sein Lamm? Nein, hier lag ein Wolf. Dieser winselte und leckte sich seine Pfote.

Simon riß ein Stück von seinem Mantel ab und verband vorsichtig die blutende Wunde des Wolfes. „Nun bleib brav liegen, damit deine Wunde heilen kann“, sagte er zu dem Wolf. Nach kurzem Überlegen sprach er weiter: „Hier, Wolf hast Du ein Licht. Es wird dich wärmen. Zwei Lichter sind genug für mich. Ich muss weiter mein Lamm suchen.“

Dankbar blickte der Wolf ihm nach.

Wo sollte Simon nun noch nach dem Lamm suchen? Lange irrte er umher, bis er bei Tagesanbruch in eine kleine Stadt kam. In einer Straße traf er einen Bettler.

„Eine Gabe, nur eine kleine Gabe“, rief der Mann.

„Ich habe doch selbst nichts“, sagte Simon und blieb stehen. „Ich bin nur ein kleiner Hirte und habe mein Lamm verloren! Das einzige was ich noch habe ist ein Licht. Es wird dir Wärme und Licht geben.“ Der Alte nahm nahm das Licht und stand auf. „Danke! Hoffentlich findest du bald dein Lamm!“

Und jeder ging seinen Weg. Simon hatte überall vergeblich nach seinem Lamm gefragt. Keiner hatte es gesehen. Er war entmutigt. Sein letztes Licht leuchtete auch nur noch schwach. Als die Nacht hereinbrach, setzte er sich draußen vor der Stadt müde an den Wegrand.

Plötzlich sah er ein Licht in einem Stall, er hörte Gesang und es roch ganz wunderbar. Er ging auf den Stall zu und trat zögernd ein.

Simon konnte kaum etwas erkennen. Da schimmerte etwas weiß im Halbdunkel. Es war sein Lamm! Sein verlorenes Lamm!

Er war so glücklich! Dann sah er ein Kind. Es lag auf Stroh ganz dicht bei seinem schneeweißen Lamm!

Simon kniete nieder und schenkte dem Kind sein letztes kleines Licht. Nur noch schwach glühte die Flamme. Doch seltsam! Wie von unsichtbarer Hand entzündet, flammte das Licht auf. Sein Leuchten breitete sich aus und erfüllte den ärmlichen Raum mit festlichen Glanz.

Am Himmel strahlten die Sterne heller und heller, und der frohe Gesang klang weit hinaus bis zu Jakob und den anderen Hirten auf dem Feld.

Eine Weihnachtsgeschichte frei nach Gerda Marie Scheidl

mit Bildern von Marcus Pfister

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