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3. Adventsfenster

3. Adventsfenster 2022
Datum:
Veröffentlicht: 23.12.22
Von:
Carina Lembach

Weihnachten ist, wenn....

von Max Bollinger  

 

Es war einmal ein Kind, das kam aus einem Land, in dem andere Feste gefeiert wurden als bei uns.

Darum wusste das Kind nicht, was das war:

WEIHNACHTEN

 

Das fremde Kind begegnete dem Wort überall. Über der Straße hingen Lichtergirlanden. Auf der Straße standen Gruppen von Männern und Frauen, die Weihnachtslieder sangen. Es wurde Weihnachtsbrot und Weihnachtsbraten angeboten, Weihnachtskarten, Weihnachtskerzen, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtspakete, Weihnachtsblumen, …..

Unter der Kuppel der Bahnhofshalle flimmerten Sterne. Vor dem Eingang zum Einkaufszentrum standen und lagen hunderte von kleinen und großen Tannenbäumen.

Die Schaufenster waren voller Dinge, von denen das fremde Kind nicht wusste, wozu die Menschen sie nötig hatten.

Doch am meisten staunt das Kind über die wunderbaren Wesen mit Flügeln, die mit ausgebreiteten Armen über dem Dach des Warenhauses schwebten.

Verwundert hörte es zu, wie die Jungen in der Klasse darüber rätselten, wie und wo sie am Himmel befestigt waren.

Das fremde Mädchen hieß Assia.

Sie hatte krause Haare und ihre Haut war dunkelbraun. „wer ist dieses Mädchen?“ hörte Assia eine Nachbarin zur anderen sagen. „Wo wohnt es? Woher kommt es?“ Assia kam aus einem Land, in dem Krieg herrschte und viele Menschen hungerten und verfolgt wurden. Assia war ein Flüchtlingskind.

 

Auf dem Pult der Lehrerin stand Anfang Dezember ein Kranz aus Tannenzweigen, mit vier Kerzen und goldenen Nüssen geschmückt. „Oh, der schöne Adventskranz!“, riefen die Kinder.

 

ADVENT

 

Auch dieses Wort hatte Assia noch nie gehört. Doch Advent musste auch etwas mit Weihnachten zu tun haben. Diesem Fest, das von den Kindern mit Ungeduld erwartet wurde.

Als die Lehrerin an dem Kranz eine Kerze anzündete, nahm Assia endlich all ihren Mut zusammen: „Was ist Weihnachten?“

Die Kinder lachten. Wie konnte es jemand auf der Welt geben, der nicht wusste, was das war:       Weihnachten

 

Alle riefen durcheinander: 

Weihnachten ist, wenn ich Sterne ans Fenster male!

Weihnachten ist, wenn wir das Haus schmücken!

Weihnachten ist, wenn wir Plätzchen packen!

Weihnachten ist, wenn ich den Wunschzettel schreibe!

… wenn Sankt Nikolaus kommt!

… wenn wir verreisen!

….wenn wir aller Türen am Adventskalender geöffnet haben!

…. wenn ich eine neue Puppe bekomme!

…. wenn ich ein neues Fahrrad bekomme!

…. wenn mir meine Patin ein Goldstück schenkt!

…. Wenn Oma und Opa zu Besuch kommen!

….. wenn ich Geschenke bastle!

….wenn Papa den Weihnachtsbaum schmückt!

Den Kindern kamen immer neue Dinge in den Sinn, die sie an Weihnachten erinnerten.

Doch Assia wusste immer noch nicht, was das war:    WEIHNACHTEN

 

„Für mich ist Weihnachten, wenn ich euch eine uralte Legende erzähle“, sagte die Lehrerin, „die Geschichte von der Geburt Jesu, der Weihnachtsgeschichte.

Die Geschichte von Maria und Josef auf der Suche nach einer Herberge.

Die Geschichte von dem warmherzigen Wirt, der ihnen sein Stall anbot. Die Geschichte von den Hirten auf dem Feld, denen ein Engel erschien. Die Geschichte von einem Stern, der drei Könige aus dem Morgenland nach Bethlehem führte, unter ihnen Melchior, dunkelbraun wie Assia.“

Assia horchte auf. „Und“, meinte die Lehrerin, „wenn wir die Geschichte spielen, brauchen wir nicht lange nach einem Melchior suchen.“

Alle Kinder schauten Assia an. Einen Augenblick wurde es still.  Alle Kinder nickten zustimmend.

„Ja, Weihnachten was ist das eigentlich?“, dachte die Lehrerin.

Und als ob Assia ihre Gedanken erraten hätte, sagte sie:

 

„Weihnachten ist, wenn ich froh bin!“

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